Versorgungsweg

Hörgeräte-Indikation

Der Hals-Nasen-Ohrenarzt stellt nach den Vorgaben der Heilmittel- und Hilfsmittelrichtlinien die Indikation für Hörgeräte aus.

Hörgeräte-Anpassung

Für die Anpassung von Hörsystemen ist der Hörgeräte-Akustiker zuständig. Zunächst wird dort genau besprochen, in welchen Situationen die Hörprobleme auftreten und was dabei besonders problematisch ist. Nach der Anamnese führt er eine Gehörgangsspiegelung durch und erstellt die akustischen Kenndaten des Ohres als Grundlage für die Hörgeräte-Anpassung. Schließlich werden Abdrücke von Gehörgang und Ohrmuschel genommen. Im Anschluss an den Kundenbesuch fertigt der Hörakustiker die Otoplastiken (Ohrpass-Stücke) an. Für Im-Ohr-Geräte müssen Im-Ohr-Schalen gefertigt werden.

Vergleichende Anpassung

Hörakustiker haben mehr als 30 unterschiedliche Modelle vorrätig, dies sind Hörsysteme aus weltweit ausgesuchten Programmen namhafter Hersteller. Auf Grundlage der akustischen Kenndaten der Ohren wird eine Vorauswahl von Hörgeräten getroffen, die für die individuelle Hörstörung des Patienten geeignet sind.

Es folgt die vergleichende Hörgeräte-Anpassung, bei der Kunde und Hörakustiker gemeinsam versuchen, die bestmögliche individuelle Versorgungsform zu finden. Die Anpassung läuft über ein Computerprogramm, ebenso die Programmierung bei programmierbaren Geräten. Nach spachaudiometrischen Vergleichstests werden diese Einstellungen gegebenenfalls korrigiert. Von speziellen Akustikern wird die Anpassung durch das patentierte Verfahren A-Live durchgeführt, in dem zur Anpassung realitätsnahe Umweltgeräusche benutzt werden.

Da jeder Geräusche, Töne und Sprache anders empfindet, legen Hörakustiker großen Wert auf die subjektive Einschätzung ihrer Kunden. So hat auch jeder Gehörgang ein anderes Volumen, das unterschiedliche Verstärkungsleistungen erfordert. Die richtige Einstellung der Geräte wird gemeinsam erarbeitet. Bei der Aushändigung der Hörgeräte weisen Hörakustiker in die Handhabung ein. Das Einsetzen und Herausnehmen der Geräte wird geübt.

Stufenweise Anpassung

In den ersten Tagen erlebt der Patient seine Hörhilfen in unterschiedlichen Hörsituationen. Diese Erfahrungen werden nach etwa einer Woche mit dem Hörakustiker besprochen. Die Einstellung der Geräte kann bei diesem Termin meist nachjustiert und verbessert werden. Die Feinanpassung beginnt und wird so lange fortgesetzt, bis der individuell optimale Anpasserfolg erzielt ist. Es folgt eine weitere vertiefte Einweisung (Batteriewechsel, Reinigung, Handhabung der Fernbedienung etc.).

Anpassungskontrolle durch den Hals-Nasen-Ohrenarzt

Schließlich findet eine Kontrolle beim Hals-Nasen-Ohrenarzt statt, der das Hörvermögen des Patienten mit Hörgeräten überprüft. Erst wenn der HNO-Arzt bestätigt, dass die angepassten Hörhilfen den Anforderungen entsprechen, beteiligt sich die Krankenkasse an den Kosten.

Qualitätskontrolle, Nachsorge und Service

Erfolgt durch HNO-Arzt und Akustiker regelmäßig im Wechsel. Dabei reinigt und pflegt der HNO-Arzt den Gehörgang, beurteilt den Sitz des Hörsystems und kontrolliert das Hörvermögen mit und ohne Hörsystem. Zur Funktionskontrolle und Wartung seiner Geräte geht der Kunde zum Hörakustiker.

So können die Hörsysteme neu eingestellt werden, falls sich am Hörverlust etwas verändert. Viele Probleme können direkt vor Ort behoben werden: die Feineinstellung, die Reinigung der Otoplastiken, das Beheben kleiner Druckstellen durch Beschleifen der Ohrpass-Stücke.

Bezahlt werden muss dafür nichts – mit dem Kauf der Hörsysteme sind die Regelleistungen im Rahmen einer Festbetragsversorgung für die Dauer von sechs Jahren bereits abgegolten.

Qualität durch arbeitsteilige Anpassung

Führende Hörgeräte-Hersteller Deutschlands betonen, dass die Qualität der modernen Hörsysteme nicht zu trennen ist von der Qualität der Anpassung. Denn die ausgefeilte Technik allein verhilft noch nicht zu gutem Hören und besserem Verstehen. Für Hörakustiker sind technologisches Wissen, das Beherrschen der Anpassungs-Software, handwerkliches Geschick und vor allem einfühlsames Eingehen auf die Bedürfnisse der Patienten Grundlage der Anpassung. Nur so wird aus dem ausgeklügelten Miniaturcomputer eine echte Hörhilfe, die ein ganz individuelles Hörproblem löst.

Bei der seit Jahrzehnten erfolgreich praktizierten Arbeitsteilung steht

- der HNO-Arzt für die medizinisch-diagnostische Betreuung und die Indikationstellung

- der Hörgeräte-Akustiker gewährleistet die möglichst gute Versorgung mit Hörgeräten, inklusive Beratung, Betreuung, Wartung und Service.

Die Aus- und Weiterbildung aller Hörakustiker Deutschlands findet in der Akademie für Hörgeräte-Akustik in Lübeck statt, deren Bildungsangebot und moderne Ausstattung den weltweit höchsten Standard in der Branche hat. Die dreijährige Ausbildung zum Hörgeräte-Akustiker vermittelt naturwissenschaftlich-technisches Wissen ebenso wie medizinisch-soziale und handwerkliche Fertigkeiten. Wer nach sechs Ausbildung- und Berufsjahren die Meisterprüfung ablegt, ist Spezialist für den gesamten Service rund ums Hörsystem.

Kosten für Hörhilfen

Die gesetzlichen Krankenversicherungen übernehmen gegen Vorlage der HNO-ärztlichen Verordnung den so genannten Festbetrag, eine bestimmte Summe, deren Höhe auf Landesebene von den Krankenkassen festgelegt wird. Er soll den Kosten für eine “ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche” Versorgung entsprechen. Geräte mit besonderem Komfort, besonders kleine Geräte oder volldigitale Geräte sind ohne Zuzahlung nicht zu haben.

Eine sechsjährige Nachbetreuung und Wartung durch den Hörakustiker ist In diesem Kaufpreis bereits enthalten. Kinder und Jugendliche können alle fünf Jahre – wenn indiziert auch früher – neue Geräte erhalten, Erwachsene alle sechs Jahre. Wenn die Geräte zum Ausgleich des Hörverlustes nicht mehr ausreichen oder eine Reparatur nicht mehr lohnt, können neue Geräte auch vor Ablauf dieser Fristen von den Krankenkasse bezahlt werden.

Technische Hilfsmittel oder Zubehör sind kein Bestandteil der Heilmittel- und Hilfsmittelrichtlinien. Die Kostenübernahme durch Krankenkassen orientiert sich an Urteilen des Bundessozialgerichtes.

Kosten für Hörgerätebatterien werden nur für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr von den Krankenkassen übernommen.

Erwachsene müssen diese Kosten selbst tragen. Man kann davon ausgehen, dass pro Hörgerät etwa eine Batterie pro Woche verbraucht wird. Geräte, die besonders viel leisten können, benötigen durchaus auch mehr Energie.

Reinigungs- und Pflegemittel

Da Hörsysteme ständig am Körper getragen werden, muss man sie regelmäßig reinigen und desinfizieren. Schweiß, Cerumen und die allgemeine Verschmutzung können den Geräten schaden.

Bei Hinter-dem-Ohr-Geräten trennt man die Otoplastik (die Verbindung zwischen Hörgerät und Gehörgang) vom Gerät. Um Cerumen aus dem Schallkanal zu entfernen, wird die Otoplastik über Nacht in eine Reinigungsflüssigkeit gelegt. Nach der Reinigung wird sie abgespült und abgetrocknet; der Schallkanal und zusätzliche Belüftungsbohrungen werden mit einem Puster getrocknet.

Auch die Hörsysteme selbst mit ihrer sensiblen Elektronik müssen sorgsam behandelt und gepflegt werden. Defekte haben ihre Ursache häufig in mangelnder Pflege und unsachgemäßer Bedienung. Hinter-dem-Ohr-Geräte werden mit einem nebelfeuchten Lappen gesäubert, anschließend im Trockenbecher, -kissen oder -beutel getrocknet.

Nach der Reinigung oder bei starkem Schwitzen sollten die Geräte im Trockenbeutel oder -becher aufbewahrt werden. Die Trockenkapseln oder Silikatkristalle in diesen Behältern entziehen der Luft die Feuchtigkeit. Dadurch werden die Geräte getrocknet und damit die Lebensdauer erhöht. Es werden auch elektrische Trockenbeutel angeboten, die an die Steckdose angeschlossen werden. Das Innere des Beutels erwärmt sich, die Geräte werden schnell und komfortabel getrocknet.

Für die Reinigung von Im-Ohr-Geräten stehen Pumpsprays mit einer speziellen Reinigungsflüssigkeit zur Verfügung, die mittels Bürstchen auf der Schale verteilt wird. Getrocknet wird im Trockenbecher oder -beutel.

Quelle: Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH)