Hörsysteme stoppen Wissensverlust

Gutes Hören erhält das Leistungsvermögen. Es ist jetzt auch wissenschaftlich bewiesen, was viele schon intuitiv wussten. Zu diesem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Untersuchung mit Unterstützung des „Forum Besser Hören“ und der „Fördergemeinschaft Gutes Hören“.

Der HNO-Arzt Prof. Dr. Seifert war Leiter der Untersuchung und fand heraus: „Wer Hörprobleme hat, aber nichts dagegen unternimmt, riskiert eine Minderung der Denkfähigkeit und den Verlust erworbenen Wissens.“

Wir leben in einer Informationsgesellschaft.

Wer die gegebenen Informationen nicht schnell verarbeiten und umsetzen kann, hat schnell Schwierigkeiten mitzuhalten. Gerade ältere Menschen haben damit Probleme. Es ist schon lange wissenschaftlich belegt, dass die Fähigkeit zum „Informationsmanagement“ mit zunehmenden Alter immer mehr nachlässt, kommen die Informationen durch eine Schwerhörigkeit aber zusätzlich nur bruchstückhaft oder überhaupt nicht im Gehirn an, kostet auch die Bearbeitung der Informationen mehr Zeit und Anstrengung oder wird sogar gar nicht mehr bewältigt.

Bei einer Hörminderung bekommt das Hörzentrum weniger, in einigen Bereichen gar keine Signale mehr. Das heißt, in diesen Arealen wird das Gehirn nicht mehr aktiviert. „ Das Hörzentrum speichert Laute und Geräusche nach einer auftretenden Schwerhörigkeit noch einige Jahre. Danach wird der Speicher gelöscht“. Das führt dazu, dass die Wahrnehmung, Erkennung und Entschlüsselung von Geräuschen mehr und mehr Zeit und geistige Energie in Anspruch nehmen als bei gut Hörenden. Für die eigentliche Verarbeitung der Informationen sind deshalb weniger Kapazitäten vorhanden. Um das Auszugleichen ist eine erhöhte Konzentration erforderlich, die schnell zur Überlastung führt.

„Hörverlustbedingte Intelligenzminderung ziehen einerseits Leistungsverluste durch Wahrnehmungsfehler (Missverständnisse z.B.) nach sich. Andererseits ist vor allem aber auch der „Langzeitspeicher“ im Gehirn betroffen: Das heißt, erworbenes Wissen oder Erfahrungen gehen ebenfalls verloren. Das maximale Leistungsniveau wird nicht mehr erreicht, „ berichtet Professor Klaus Seifert. Dazu kommt, dass Hörgeminderte ohne Hörsystem weniger offen sind für Neues, Interaktionen mit anderen meiden und auch auf akustische Informationen durch Fernsehen oder Radio verzichten. Dieser soziale Rückzug fördert jedoch die Unteraktivierung des Gehirns und damit geht die geistige Leistungsfähigkeit noch weiter zurück.

Quelle: Otology Heft 3/2003