Jedem 2. Jugendlichen fehlt eine Impfung gegen Tetanus

Jugendliche in Deutschland haben bei allen Standardimpfungen große Lücken. Das hat zumindest eine Studie mit Schülern in Erlangen ergeben.

Impfexperten appellieren daher an Kollegen, künftig verstärkt Kontakte mit Jugendlichen für Impfungen zu nutzen.

In der Studie wurden 13 von 14 Schulen in Erlangen im Jahr 2002 von 1672 Schülern die Impfbücher ausgewertet, wie Forscher um Kerstin Loos von der Universitäts-Kinderklinik Erlangen und Professor Ulrich Heininger aus Basel brichten (Eur J Ped 165, 2006, 671).

Die Daten wurden bei 11-jährigen, 14-jährigen und 16- bis 17-jährigen Jugendlichen erhoben.

Ergebnisse:

  • Gegen Diphtherie, tetanus und Polio waren zwar 98 Prozent der Schüler grundimmunisiert. Bei mehr als 50 Prozent fehlten aber zum Beispiel Auffrischimpfungen gegen Tetanus und Diphtherie.
  • Gegen Pertussis waren 39 Prozent überhaupt nicht geimpft.
  • Gegen mMsern-Mumps-Röteln hatten 89 bis 96 Prozent die erste, aber nur 60 bis 76 Prozent die zweite Impfung.
  • Gegen Hepatitis B hatten 39 Prozent keinen kompletten Schutz.

Bei solchen Impflücken seien zum Beispiel Ausbrüche von Masern in Deutschland keine Überraschung, so die Forscher. Sie befürchten auch eine zunehmende Zahl von Röteln-Embryopathie, wenn die ungeimpften Mädchen künftig Mütter werden.

An Optionen zur Verbesserung der Situation nennen die Forscher: Info-Kampagnen für Impfungen, Recall-Systeme, verlängerte Sprechstunden für Jugendliche und Impfungen in Schulen.

Übrigens: Versäumen Jugendliche die Hepatitis-B-Impfung, müssen sie den Schutz als Erwachsene später selbst bezahlen.

Quelle: Ärzte Zeitung Verlagsgesellschaft mbH, September 2006