Anstieg von FSME-Erkrankungen erwartet

Der sprunghafte Anstieg der FSME-Erkrankungsfälle in Deutschland in den letzten beiden Jahren lässt besonders nach den milden Wintern auch für 2008 nichts Gutes erwarten. Selbst in Risikogebieten nimmt nur ein geringer Teil der Bevölkerung die Möglichkeit der Schutzimpfung wahr!

Niedergelassene Ärzte sollten deshalb inFSME-Endemiegebieten verstärkt zur dort von der Kasse problemlos erstatteten Impfung gegen die von Zecken übertragene virale Erkrankung raten.

2006 waren in Deutschland dem Robert Koch-Institut 540 Menschen mit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) gemeldet worden, berichtete Professor Peter Kimmig vom baden-württembergischen Landesgesundheitsamt in Stuttgart. Das sind 25 Prozent mehr als im Vorjahr (432) und nahezu doppelt so viele wie noch im Jahr 2004 (274). Die mit Abstand meisten Erkrankungsfälle wurden in der Freizeit erworben und entfielen erwartungsgemäß mehrheitlich wieder auf die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayer sowie angrenzende Landesteile. Zunehmend werden aber auch autochthone FSME-Erkrankungen aus bislang völlig unauffälligen Regionen berichtet. So erkrankten 2006 zwei Männer in Brandenburg an FSME, die sich nachweislich vor Ort einen Zeckenstich zugezogen hatten.

Kimmig hält es denn auch für überholt, eine eng umrissene Region erst dann als Risikogebiet auszuweisen, wenn dort autochthone FSME-Erkrankungen aufgetreten sind. So konnten Kimmig und Mitarbeiter mit serologischen Untersuchungen bei fast 5000 ungeimpften Waldarbeitern und Forstbediensteten sowie anhand von PCR-Analysen bei knapp 11.000 landesweit gesammelten Zecken nachweisen, dass Baden-Württemberg flächendeckend als FSME-Risikogebiet zu erachten ist. Bis zu 43 Prozent der untersuchten zeckenexponierten Arbeiter hatten Antikörper gegen FSME als Zeichen einer bereits stattgefundenen Viruskonfrontation und die FSME-Befallsraten bei den Zecken reichten von 0,2 bis 5 Prozent. Aus Bayern werden ähnliche Befallsraten gemeldet. Noch in den 80er Jahren ging man dagegen selbst in Hochrisikogebiete nur von einer FSME-positiven auf 1000 Zecken aus.

Als Konsequenz forderte Kimmig, jeden, der in Süddeutschland wohnt oder dorthin verreist und dabei des Öfteren gepflasterten Boden verlässt, die Schutzimpfung gegen FSME anzuraten. Die inzwischen sowohl für Erwachsene als auch für Kinder gut verträgliche und effektive Impfung wird unter diesen Voraussetzungen auch von den gesetzlichen Kassen erstattet.

Bislang nehmen aber selbst in unseren ausgewiesenen FSME-Risikogebieten im Schnitt nur zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung das Angebot einer Schutzimpfung wahr. Anders dagegen in Österreich, wo 85 Prozent sind. Und als einziges Endemieland in Europa ist dort seit Jahren eine stete Abnahme der FSME-Erkrankungsraten zu verzeichnen.

Quelle: Ärztezeitung Nr. 56, Montag 26.März 2007, Seite 10